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Gold für das Projekt „Sensorpolsterung“

Auszeichnung anlässlich der iENA

Von: Kareen Pfab

Verleihung der Goldmedaille für das Projekt Sensorpolsterung

Keiner bemerkte, als Herr Müller bei Temperaturen unter null das Haus am frühen Morgen verließ. Herr Müller ist dement und wird daheim von seiner Familie gepflegt. Wieder einmal geht er zur Bushaltestelle, wie zuvor in seinem Berufsleben. Die Angehörigen erschrecken am nächsten Morgen, als der Vater nicht mehr in seinem Bett liegt und begeben sich auf die Suche. Ein neuartiges textiles Monitoring-System vermag hier Schlimmeres zu verhindern, indem es ganz einfach in bestehenden Betten oder Pflegesesseln nachgerüstet wird.

Entwickelt wurde die Sensorpolsterung im Zusammenspiel von drei Forschungspartnern: vom Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V. in Chemnitz, dem Holzforschungsinstitut in Dresden und der Materialforschungs- und -Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität in Weimar. Findet der Patient in der Nacht das Bett nicht wieder, sendet es einen Warnton. Unnötige Kontrollgänge entfallen so für die pflegenden Angehörigen. Das flächige System wurde speziell für Stuhl- und Bettmöbel konstruiert. Beispielsweise kann es wie ein gewöhnlicher Matratzenschoner auf ein Bett gezogen werden. Die faseroptischen Sensoren sind im Textil integriert und ermöglichen so eine Überwachung der Vitalfunktionen, von Bewegungen und Feuchte.

In einer mehrmonatigen Testphase in der Charité/Institut für Pflegewissenschaftler wurde die Leistungsfähigkeit des Systems im Bett getestet. Und die Pflegeexperten fanden Erstaunliches heraus: So kann man neben der tatsächlichen Bettbelegung auch den Sturz aus dem Bett detektieren oder Bewegungsmuster erfassen.

Die Wissenschaftler habe sich das neue System patentieren lassen und die Neuheit auf der Internationalen Fachmesse für Erfindung (iENA) in Nürnberg 2019 ausgestellt. Dort hat eine internationale Fachjury das Potential des neuen Systems schnell erkannt und die Forscher mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Und wo kann man das nun kaufen, wurde Projektleiterin Elke Thiele vom STFI auf der Auszeichnungsveranstaltung zig-fach gefragt: „Aus dem Funktionsmuster wird nun ein richtiger Demonstrator entwickelt. In weniger als 20 Monaten soll das Produkt in Form eines Bettes, einer Therapiematte und eines Sessels auf dem Markt angeboten werden.“

Die Forscher haben deshalb mit interessierten Firmen eine Projektgruppe aufgebaut, um die Erfindung so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Und neue Ideen werden gleich mit umgesetzt, z.B. in Form einer Therapiematte. Für die Physiotherapie eröffnen sich damit völlig neue Möglichkeiten der Therapiebegleitung. Schließlich kann der Therapeut stets nur wenige Stunden am Krankenbett verbringen und das grundsätzliche Mobilisierungsprogramm mit Patienten trainieren. Der Therapiererfolg liegt dann in der Regel in der richtigen Wiederholung. Das muss oft alleine bewältigt werden. Damit sich keine Bewegungsfehler einschleichen, ist die eigene Kontrolle der Bewegungsmuster extrem sinnvoll. Das bestätigen die Experten der Charité. Wurde der Bewegungszyklus ausreichend oft und richtig absolviert, belohnt den Patienten ein Smiley auf einem Monitor.


 
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