Grüne Netze statt graue Mauern für ungenutzte Industriegebäude
Klimawandel, wachsende Urbanisierung und zunehmende Flächenknappheit erfordern neue Denkansätze für die Nutzung unserer Städte und ländlichen Regionen. Besonders gravierend: Die zurückgehende Nutzung ländlicher Räume, schwindende Anbauflächen und wetterbedingte Ernteausfälle durch Dürren, Hitzewellen und Starkregen gefährden die globale Ernährungssicherheit. Gleichzeitig stehen vielerorts wertvolle Industriebauten leer – oft historisch bedeutend, aber wegen hoher Sanierungskosten schwer nutzbar. Statt dem Verfall zuzusehen, bietet sich die Chance, diese „schlafenden Riesen“ der Architektur neu zu aktivieren.
Genau hier setzt das Projekt GREENTEX an. Ziel ist es, im BMFTR-wir!-Vorhaben der Vogtlandpioniere zusammen mit dem Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e. V. und der Jahn GmbH & Co. KG am Beispiel der „Alten Papierfabrik Greiz“ ungenutzte Industriefassaden durch neu entwickelte, ressourcenschonende Materialien in produktive Grünflächen zu verwandeln. Eine Schlüsselrolle spielen dabei leichte Pflanzennetze aus nachhaltigen Materialien in intelligentem Design, die minimalinvasiv an den Fassaden angebracht werden und so die historische Bausubstanz schonen. Integrierte Versorgungssysteme sorgen für Wasser- und Nährstoffzufuhr, ergänzt durch Feuchtesensorik, die den Bedarf der Pflanzen präzise erfasst.
So wird die Fassadenbegrünung zu einem ästhetischen Gewinn für die Städte. Es entstehen nicht nur grüne, klimaaktive Flächen in urbanen Räumen, sondern es wird auch baukulturelles Erbe erhalten und neu belebt. Leerstehende Fassaden verwandeln sich in produktive, begrünte Flächen, die Kühlung, Biodiversität und Ernährungssicherung zugleich fördern. Ein Ansatz, der zeigt: aus Problemflächen können Zukunftsflächen entstehen – zum Nutzen von Stadt, Natur und Gesellschaft.

